Die Presse schriebt vom Ersten Weltkrieg vom Ende der ersten Globalisierung. Und tatsächlich war der Erste Weltkrieg nicht nur die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, sondern beendete auch die erste Phase einer stark vernetzten Weltwirtschaft zur Jahrhundertwende.

Den Begriff Globalisierung kennen die meisten erst seit 1980ern. Doch eine global vernetzte Welt ist keine Erfindung der Jahrtausendwende. Schon hundert Jahre zuvor war die Welt das erste Mal „kleiner geworden“.

Die erste Globalisierung war vor allem auch eine große Zeit für Europa. So dehnten die europäischen Mächte ihre Verfügungsgewalt über außereuropäische Territorien zwischen 1800 und 1900 um fast das Zehnfache der Fläche Europas aus. Möglich geworden war dies vor allem dank des technischen Fortschritts. Mit der Erfindung der Dampfmaschine lösten sich die Länder Europas immer stärker von der Landwirtschaft. Sie setzten auf die Erzeugung verarbeiteter Güter als Haupteinnahmequelle.

England galt als Vorreiter und Werkstatt der Welt. Bald holten Deutschland und Frankreich auf. Diese drei Nationen beherrschten den Weltmarkt. Die USA spielten noch eine untergeordnete Rolle. Auch Österreich-Ungarn war wirtschaftlich eher schwach aufgestellt.

Die wirtschaftliche Verzahnung mit der Welt sorgte für eine drastische Verbesserung des Lebensstandards, erhöhte aber auch die gegenseitige Abhängigkeit untereinander. Der Krieg forderte nicht nur einen hohen Blutzoll, auch wirtschaftlich bekam Europa die Rechnung präsentiert: die Produktion brach ein. Hart getroffen waren vor allem die Verlierer Deutschland und Österreich, Inflation und Chaos waren die Folge.

Aber auch die „europäischen Siegermächte“ Großbritannien und Frankreich kämpften nach dem Krieg mit Überkapazitäten und einer angestiegenen Arbeitslosigkeit. Dieser Verlust ist nachhaltig. Durch den einsetzenden allgemeinen Protektionismus konnte England nie wieder zu seiner einstigen Führungsrolle aufschließen. Diese Funktion übernahmen nun die USA.

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